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Exhibitionistische Selbstdarstellung meinerseits

Verfasst: 27. Okt 2019, 13:21
von Minervin
Im Jahr 2002 habe ich mit dem Buch Sphärenschlüssel von Jörg Raddatz den Eingang in die deutschsprachige Fantasy gefunden. Davor habe ich vorwiegend mit US-Fantasy kontakt gehabt. Damit hat es begonnen, dass ich mich mit Magietheorie beschäftigt und sehr viel Zeit für DSA-Literatur aufgewendet habe. Das ist jetzt fast 18 Jahre her. Mein Charakter (erst Minervin, jetzt Raitwin) hat sich in dieser Zeit stark mit meinem Blick auf die Magietheorie mitverändert. Ursprünglich habe ich ihn stark an der Schule der Hellsicht (Thorwall) angelehnt, weil mein Blick auf DSA, Magie, magische Wissenschaften und Magier stark von Thomas Römer beeinflusst war. Punin war für mich das Zentrum wissenschaftlicher Magie. Es hat eine Zeitland gedauert, bis ich überrissen habe, dass wissenschaftliche Magie einfach Magier-Magie ist, und dieser Fokus auf Punin und die Person Roback von Punin verzerrend war. Der Auslöser für meine Abkehr vom römerschen Ansatz kam dabei aber garnicht aus der Magietheorie selber, sondern aus meinen Problemen mit meiner Legasthenie. Wer DSA4 kennt, der weiß, die Sprachbildung in den Akademien der Grauen Gilde ist enorm. Wenn ich meinen Ansatz "mein Charakter ist ich, wenn ich in Aventurien geboren worden wäre" weiter verfolgen wollte, dann musste ich eine Adaption vornämen. Ich bin damit immer weiter in Richtung Weiße Gilde "abgetrifftet" und musste daher auch mein Verständniss vom "wissenschaftlichen Alltag" von Magiern neu denken. Erst damit ist mir klar geworden, dass es zwischen der Taxonomie von Dämonen, Herrstellung von Artefakten, "heretischen" Schriften zur Natur der Götter und der Seele, u.s.w. irgendeine Alltagswissenschaft geben musste, die die Magier in weißen Schulen betreiben und die nichts mit der eben gemachten Aufzählung zu tun hat. Ich stelle mir selber die Frage: Was tut ein Weißmagier so den ganzen Tag, wenn er nicht wie ein Graumagier/Schwarzmagier stendig nicht-menschliche/verbotene Magie erforscht? Ja klar, menschliche und nicht-verbotene Magie erforschen. Was ist das? Naja nicht Elementarmagie, weil das machen ja nach offizieller Erklärung vornämlich Graumagier. Aber was bleibt dann übrig? Na Antimagie, Hellsicht, Kampf, Heilung! Aber das war für mich immer schon der Kern von Magier-Magie. Ein Magier wirft für mich vornämlich Feuerbälle, sitzt vor einer Kristallkugel, er wird bei komischen Krankheiten gerufen und er schützt sich selbst und andere mit Schilden. Diese Gedanken haben meinen Blickwinkel auf die Weiß-Grau-Schwarz-Magieauftreilung nachhaltig verändert und ich habe mich mehr und mehr dafür zu interessieren begonnen, wie diese Alltagsmagie menschlicher Magier aussehen könnte. Was stellen sich diese Magier für Fragen? Wie lösen sie Probleme? Was interessiert sie? Was motiviert sie zu arbeiten? Das hat meinen Charakter von einem "Verteidiger der freien Forschung" aus Thorwall zu einem Weißmagier gemacht. Ich habe in den Folgejahren durch die Beantwortung dieser Fragen eine Magietheorie entwickelt, die ziemlich nahe an dem ist, was Ockultisten und Naturphilosophen im Hoch- und Spätmittelalter wirklich dachten. Gerade lese ich Agrippa von Nettesheim und habe stendig "ja eh klar" Erlebnisse oder "wie sollte er das sonst sehen, muss ja so sein" Erkenntnisse. Ich habe also meine Reise, die mit dem Sphärenschlüssel begonnen hat, abgeschlossen. Aber was jetzt? LARP-tauglich ist das nur bedingt. Es macht keinen Sinn durch die Lager zu marschieren und den Magiern zu erklären, dass sie das alles falsche sehen. Es hatte bisher keinen mehrwert, den Magierhassern und Extremlichtis OT zu erklären, dass sie IT raum für die Weißmagie lassen sollten. Es häufen sich IT-Gesprächsverläufe die immer stärker in Richtung dem gehen, was hier im Text Schwarzmagie heißt. Also das ist jetzt kein Alltagsproblem, schönes Spiel kann man so oder so haben und LARP ist ja mehr als Magier-Magier spiel. Aber irgendwie schade mit so vielen Gedanken rum zu laufen die niergendwo fruchtbar eingesetzt werden können. Hätte ich meine Zeit fielleicht besser mit nähen oder schweissen verbracht? :P

Re: Exhibitionistische Selbstdarstellung meinerseits

Verfasst: 27. Okt 2019, 21:49
von Tee
Vieles von dem was du geschrieben hast verstehe ich leider nicht oder nur zum Teil da mir die Hintergründe nicht so geläufig sind.
Und es steckt sehr viel in diesem Text worüber man reden könnte.
Ich beziehe mich einfach mal nur auf die letzten beiden Sätze, da sie ja am aktuellsten zu sein scheinen.

Wissen zu erlangen kann nicht verkehrt sein. Aber Wissen alleine bringt nicht viel. Die Frage ist, wie man es dann einsetzt.
Im Prinzip hast du jetzt einen großen Schatz der irgendwie unter die Leute gebracht werden kann (-> nicht muss. NIcht jeder teilt gern seinen Schatz ;) ).

Vielleicht musst du für dich eine Antwort darauf finden, was du mit deinem Wissen gerne anfangen würdest. Ob dir der reine Austausch der Meinungen wichtig ist? Oder ob es dir wichtig ist das Spiel insgesamt näher an die Realität heranzurücken? Möchtest du aus deinen Theorien eine Praxis entwickeln? Oder dienen Sie dir als stabiles Fundament um auch spontan auf Situationen passend reagieren zu können? Oder bist du an einem Punkt angelangt wo du dir selbst sagst: Dieses Wissensfeld habe ich bearbeitet und kann es abschließen. Was kommt als nächstes?

Ich glaube wenn du dir die Frage beantworten kannst, was du mit deinem Wissen gerne bewirken würdest, dass man dann an der Umsetzung dieses Ziels arbeiten kann.

Re: Exhibitionistische Selbstdarstellung meinerseits

Verfasst: 28. Okt 2019, 16:06
von Minervin
Ach... es gibg einen Grund warum das unter Off-Topics steht... es hat mich gestern einfach schwer beschäfdigt... Ohne das ich jetzt ein konkretes Problem, das eine Lösung benötigt, habe.

Die Idee war natürlich immer tolle, bis ins kleinste detail sinnvolle und hintergrundfundierte Rituale zu planen... aber das reale Spiel hat gezeigt, das das Problem beim Ritual nie die Planung sonderndie Durchführung ist... daher könnte man sagen, ich hab aufs falsche Pferd gesetzt.

Re: Exhibitionistische Selbstdarstellung meinerseits

Verfasst: 29. Okt 2019, 11:08
von Tee
Aber wenn man einen Plan hat, verbessert sich doch auch die Durchführung?
Ich glaube das gerade Magiespiel eigentlich sehr viel im Voraus-Planung braucht, damit es gute Ergebnisse gibt.
Einfach damit man a: alles Equipment, das man braucht dabei hat. Und das man b: das ganze einübt, bis man die gewünschte Show hat ( Wenn man nicht gerade der geborene Showstar ist :oops: )
Selbst wenn dann unvorhergesehene Dinge passieren oder man streckenweise improvisieren muss, ist man dann doch besser aufgestellt als wenn man von anfang an improvisiert.

Insofern red dir doch nicht alles madig. Du hast eine gute Basis. Fang einfach mal damit an ein kleines beliebiges Ritual zu planen. Eine Analyse. Eine Vorhersage. Eine Anrufung - irgendwie sowas. Wer weiß schon, wann man es mal brauchen kann. Das vertreibt dann vielleicht auch ein wenig den Blues ;)

Re: Exhibitionistische Selbstdarstellung meinerseits

Verfasst: 1. Nov 2019, 18:00
von Minervin
Ich rede mir nichts madig... ich frage nur so neutral vor mich hin und bin dabei laut (schreibe es ins Forum)...

Der Punkt ist halt auch, dass Spieler bei einem Ritual einen Show-Effekt-Erwarten... Rituale sind spiel unterbrechend... meistens... Daher "die Kämpfer" müssen warten bis "die Magiewirker" fertig sind... sie erwarten sich daher einen Show... Damit ist eine Lichtershow immer die beste Wahl.

Die "besten Rituale" in der LARP Welt, machen daher schon immer mit Fellen behangene Tanzgruppen die Feuerwerk im richtigen moment einsetzen.